DiagnosticNews  .  Februar 2010 [aktuelle Ausgabe]

Demokratisierung der ENA


Abschaffung der „Klassenbesten“

Die französische Kaderschmiede für die höchsten Staatsdiener, die „Ecole Nationale d’Administration“ („ENA“) wird wieder einmal einer grundlegenden Reform unterzogen. Dabei geht es um eine Reihe von Maßnahmen wie Reduzierung der Ausbildung von 27 auf 24 Monate, Aufgabe eines Mindesteintrittsalters, Verringerung der Ablösezahlung im Falle eines vorzeitigen Ausscheidens aus dem Staatsdienst (vor Ablauf von zehn Jahren) etc.

Die wesentlichste und spektakulärste Neuerung ist jedoch die Abschaffung der Einstufung nach Jahrgangsbesten. So wurden bisher die „ENA“-Absolventen nach einem strengen Verfahren von 1 bis 20 eingestuft und mit diesem Aushängeschild in den Staatsdienst entlassen. Nur die 20 Besten (von ca. 85 Abgängern pro Jahrgang) hatten eine reelle Chance, in die Elite des Staates aufgenommen zu werden, was später auch oftmals zum Sprung auf einen Topplatz in einem der großen französischen Konzerne berechtigt.

Die „ENA“-Absolventen sollen nunmehr von ihrem zukünftigen Arbeitgeber (Staat) auf der Basis von anzulegenden Eignungsdossiers („dossier d’aptitude“), die die gesamten Bewertungen, die ein „ENA“-Schüler während seiner Ausbildung erhält, ausgewählt werden. Das neue System soll der rekrutierenden Staatsverwaltung helfen, entsprechend ihren Bedürfnissen und aufgrund der Eignung des Bewerbers die besten Kandidaten auszuwählen. Wichtig ist dabei jedoch, um jegliche Vetternwirtschaft zu vermeiden, dass das neue Auswahlverfahren anonym ist und dass die einstellenden Behörden im Vorhinein eine Liste über die gesuchten Positionen einreichen müssen. Eine Kommission soll darüber wachen, dass die Kandidaten auch tatsächlich nach diesem Verfahren rekrutiert werden.

Es bleibt abzuwarten, ob die Reform den gewünschten Erfolg mit sich bringen wird. Schon heute kann gesagt werden, dass es sich um ein äußerst kompliziertes Verfahren handelt. Ob dadurch tatsächlich eine bessere Auswahl getroffen und die gewünschte Demokratisierung eintreten wird, bleibt abzuwarten.

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