DiagnosticNews . August 2003 . Editorial
Ein heißer Herbst?

- Dr. Kurt Schlotthauer
Frankreich hat ein turbulentes Halbjahr 2003 hinter sich. Auch unsere Sponsorentätigkeit wurde ein Opfer der allgemeinen Streikwelle. Wie gerne hätten wir unseren Mandanten bei Klängen von Mozarts Entführung aus dem Serail oder von Verdis La Traviata den Charme des französischen Midi und von Aix-en-Provence zuteil werden lassen.
Die Regierung Raffarin hat mit viel Einsatz und Stehvermögen noch kurz vor der Sommerpause die bereits vor einem Jahr eingeleitete Rentenreform in der Nationalversammlung durchgesetzt. Ein weiteres Gesetz, die französische Antwort auf den „Sarbanes-Oxley-Act“, das mehr Sicherheit für die Finanzmärkte bringen soll, wurde ebenfalls verabschiedet.
Die Hauptarbeit ist jedoch noch zu bewerkstelligen: Das erste Halbjahr 2003 verzeichnete ein geringes Wachstum; insgesamt wird für das Jahr 2003 nur noch von einem Anstieg von 0,8% ausgegangen. So sind in erster Linie Maßnahmen einzuleiten, um dem Konsumrückgang der Haushalte (erstmalig seit 1996) sowie dem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juni 2003 (+1,1% gegenüber dem Vormonat) Einhalt zu gebieten. Des Weiteren ist der Dialog mit der Bevölkerung wiederherzustellen, um jeglicher Fortsetzungsabsicht zum Streiken das Wasser abzugraben. Aber auch eine tief greifende Gesundheitsreform, die das stark defizitäre System ohne wesentliche Beitragserhöhungen verändern soll, steht auf der Tagesordnung.
Der erste vorliegende Budgetentwurf für 2004, der u.a. eine weitere Einkommensteuersenkung vorsieht, soll das Konsumverhalten stimulieren. Der Stabilitätspakt wird wohl ein weiteres Mal nur begrenzte Beachtung finden.
Wir werden Ihnen in der nächsten Ausgabe über die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Frankreich berichten.
Ihre Diagnostic News Redaktion
Dr. Kurt Schlotthauer

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